Dienstag, 14. August 2012

Rezension (Zamzow)

 zu Mathias Assmanns Essay „Über das Schreiben“

In seinem Essay präsentiert sich A. als Selbstzerdenker, als hypertextualisierenden Hamlet. Er stellt sich die Frage, warum er schreibe. Wer erwartet, auf diese Frage eine harmlose Antwort zu erhalten, etwa weil es ihm Spaß mache, hat sich jedoch getäuscht. Die Skrupellosigkeit, mit der A. zu sich selbst in Distanz geht, um sich, gewissermaßen als ein Fremder gegenübertretend, szientisierend zu sezieren (oder dies zumindest vorzubereiten wie der Tiger seinen Sprung), ist verblüffend. Aber von diesen Distanzierungen distanziert er sich wiederum; er schreibt: „Psychologisch könnte ich sagen: Durch sehr gute Deutsch-Noten wurde ich zum Schreiben konditioniert. Ich wurde schlicht und einfach fast immer belohnt, wenn ich geschrieben habe.“ Er könnte es sagen, sagt er. Das Ironische hierbei ist natürlich, dass er es tatsächlich sagt. Überhaupt strotzt A.s Text von untergründigem Humor, der hier und da ans Licht kommt.

A. selbst schätzt den Wert des von ihm Geschriebenen nicht besonders hoch ein. Sollte man ihm das glauben? Deutet nicht gerade dieser Bescheidenheitsduktus darauf hin, dass er viel von sich erwartet? Dass er darum nur weniges gelten lässt und den Rest für minderwertig erklärt? Diese Einstellung ist gerechtfertigt, vielleicht sogar notwendig, hilft sie doch, der Selbstzufriedenheit, mit der alle Entwicklung aufhört, den Riegel vorzuschieben. Neuerdings kann man auf A.s Seite sogar Spaghettimonster-Girlieshirts bestellen. Damit die Girlies sich das antun, muss A. sie erst einmal dazu bringen, auf rescogitans.de zu verweilen. Und da diese Seite in erster Linie von seinen Beiträgen lebt, ist zu vermuten, dass er letztlich doch irgendetwas auf sein Schreiben hält. Oder wenigstens auf die Wirkung dieses Schreibens, die nicht nur seine Deutsch-Lehrerin erfasst haben dürfte.

Aber was sagt nun A. selbst, nachdem er – Spaghettimonster sei's gedankt – darauf verzichtet hat, seine Schreibmotivation im Spiegel diverser Wissenschaften zu betrachten? Er schreibt: „Die Hypertextualisierung der Gegenwart ist unwirklich, absurd, krankhaft und doch schreiben wir.“ Zwar kritisiert er diese Entwicklung, feuert sie jedoch mit der Produktion von „überflüssig-selbstverliebten“ Texten an. Der Grund seines Schreibens sei die Rache „an Lehrern, Journalisten, Dozenten und Mitmenschen“, die ihn mit ihrem Getexte erschlagen hätten. Wer heute schreibt, so könnte man diese Rache auch interpretieren, tut dies womöglich, um sich mit der Zusammenhanglosigkeit, der Beliebigkeit, eben die Hypertexualität seiner Erfahrung nicht abfinden zu müssen. Wäre eine solche Motivation nicht philosophisch zu nennen?



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